Andrea Tierney

WHAT’S IN A LINE? Was ist eine Linie?

Andrea Tierney

Es gibt keinen Bereich menschlicher Aktivität und menschlichen Bewusstseins, in dem der Begriff der Linie nicht existiert und keine Rolle spielt. Er existiert sowohl im alltäglichen als auch im sublimen Leben der Künste, in der Art und Weise, wie wir lesen und schreiben lernen und in wissenschaftlichen Theorien. Das abstrakte Konzept der Linie hat den Astronomen ermöglicht, die Zeit zu berechnen, Seeleuten die Welt zu umrunden, hat Künstlern ermöglicht, die Gesetze der Perspektive einzufangen, Musikern Kompositionen zu spielen, Webern Stoffe zu schaffen, Architekten unsere Wohnumgebung zu gestalten, Ärzten unseren Puls und Herzschlag zu kontrollieren und Ingenieure Netzwerke von Schienen und Straßen zu schaffen.

Die Linie ist wirklich überall und so alt wie die menschliche Fähigkeit zu denken. Vielleicht war es die erste abstrakte Idee in der Entwicklung des menschlichen Denkens überhaupt: einen Zaun zu bauen, um eine Demarkationslinie zu schaffen, einen Weg zu schaffen, um eine Verbindung aufzubauen.  Ohne die Linie hätten wir keine Möglichkeit, miteinander über Musik, Malerei oder Grafik, Poesie und Literatur zu sprechen. Die Linie ist sowohl der abstrakteste als auch der konkreteste Ausdruck, der menschliche Kommunikation und Orientierung ermöglicht. Es beginnt bei Null / Unendlich und endet im Unendlichen – die Wörter ‚Start‘ und ‚Ende‘ sind widersprüchlich. In der gesamten Geschichte der abstrakten und philosophischen Untersuchung der Linie als Ideeobjekt war sie das Werkzeug Nr. 1 zur Beschreibung aller Arten von räumlichen Geometrien. Ohne die Linie könnten wir nicht schreiben, navigieren, Ordnung behalten, kommunizieren, Umgebungen planen oder Pfade und Gebiete kartieren. 

Diese Ausstellung ist Teil eines wachsenden Werks, das die Linie in ihren unendlichen Manifestationen vom Zeichnen, Schnitzen, Weben bis zur Computeranimation erforscht; Die Besucher werden zum Mitmachen eingeladen und die Ausstellung wird zum Laboratorium für Kontemplation, kreative Teilnahme und experimentelle Aktivität.

Über Andrey Tierney
Andrea Tierney arbeitet seit vielen Jahren als Künstlerin und Kunstlehrerin. Sie war die Begründerin des Projekts ‚Kunst im Zelt’ und schuf vor damit einigen Jahren einen Platz für künstlerischen Ausdruck in der Mitte des Ealing Town Square. Als Malerin an der Akademie der bildenden Künste in Wien ausgebildet, führte sie ihre künstlerische Forschung an das Hypermedia Research Center der Westminster University, wo sie mit Künstlern und Programmierern zusammenarbeitete, um die Möglichkeiten der Neuen Medien auszuforschen. Animation als Werkzeug zur Demonstration künstlerischer Ideen wurde Teil ihrer künstlerischen Praxis. Das Studium des Textildesigns am Central Saint Martins College gab den Anstoß, Fähigkeiten und Techniken zu erweitern und eine neue Ästhetik in ihre Arbeit zu integrieren. Ihr Interesse an der Erkundung der Linie entwickelte sich durch das Studium von bildender Kunst, digitaler Kunst und Design, verbunden mit einem regen Interesse an wissenschaftlichen und philosophischen Ideen.
 
 

WHAT’S IN A LINE?

Andrea Tierney

There is not a single area of human activity and consciousness where the concept of the line does not exist and play a part. It exists as much in everyday life as in the sublime life of the arts, in the way we are taught how to read and write as well as in scientific theories. The abstract concept of the line has enabled astronomers to calculate time, seafarers to circumnavigate the world, has enabled artists to capture the laws of the perspective, musicians to play compositions, weavers to create cloth, architects to design our lived-in environment, doctors to read our pulse and heart beat and engineers to create networks of rail and road.

The line is truly everywhere and as old as the human capacity to think. Maybe it was the first abstract idea in the development of human thought itself: building a fence to create a demarcation line, creating a path to build a connection.

Without the line we would have no way to talk to each other through music, through painting or graphic art, through poetry and literature. The line is both the most abstract as well as the most concrete expression enabling human communication and orientation. It starts at zero/infinity and ends in infinity – the words ’start‘ and ‚end‘ being a contradiction in terms. 

In the whole history of abstract and philosophical inquiry into the line as an idea-object it has been the number one tool for describing all kinds of spatial geometries.

Without the line we could not write, navigate, keep order, communicate, plan environments or map paths and areas. 

 About the artist

Andrea Tierney has worked as artist and art teacher in the borough for many years. She was the originator of the Art in the Tent project, creating a space for artistic expression in the midst of Ealing Town Square.

Trained as a painter at the Academy of Fine Arts in Vienna, her artistic enquiry led her to study at the Hypermedia Research Centre of Westminster University, where she collaborated with artists and programmers to explore the possibilities of New Media. Animation as a tool to demonstrate artistic ideas became part of her art practice. Studying Textile Design at Central Saint Martins provided the impetus to broaden her skills and techniques and import a new aesthetic into her work.

Her interest in the exploration of the line developed as a result of studying fine art, digital art and design, combined with a keen interest in scientific and philosophical ideas.

www.andreatierney.webeden.co.uk

Über Andrea Tierney und ihre Arbeiten:

Andrea Tierney, eine Künstlerin aus London mit Wurzeln im Mühlviertel, hat in Wien Kunst studiert. Sie drückt sich in vielen künstlerischen Disziplinen aus: Aquarell-, Öl- und Acrylmalerei, Grafik, Textil, Skulptur, interaktive Inszenierungen. Und seit dem Durchbruch des Computers in vielen Bereichen der Kunst reizt es sie, auch mit digitalen Arbeiten zu experimentieren. Über diese haben Antonia & Burkhard Zimmermann mit ihr in der KUNSTNOTIZEN – Radiosendung geplaudert. Es ist Spur #10 der Serie über digitale Spurensuche in der Bildenden Kunst. Andrea Tierney geht mit dem wiederholten Wechsel von analogen und digitalen Bearbeitungen spielerisch und kreativ um. Thematisch setzt sie sich gerne mit Linien, Mustern und Rastern auseinander. Weiterlesen

Die Sendung zum Nachhören: https://cba.fro.at/354517